WTA-Turniere Deutschland 2026 — Stuttgart, Berlin, Kalender & Tickets

WTA-Turniere in Deutschland 2026: Porsche Grand Prix Stuttgart, Berlin Open — Termine, Preisgelder, Tickets, TV und Bedeutung für deutsche Spielerinnen.

WTA-Turniere in Deutschland 2026 — Stuttgart und Berlin im Überblick

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Deutschland ist kein Grand-Slam-Land. Es gibt kein deutsches Äquivalent zu Roland Garros oder Wimbledon, keine zweiwöchige Tennisbühne, die jedes Jahr Millionen vor die Bildschirme zieht. Was Deutschland hat, sind zwei WTA-Turniere, die in ihrer Kategorie und Geschichte zu den bemerkenswertesten der Tour gehören — und die 2026 in einem Jahr stattfinden, in dem die WTA so viel Preisgeld wie nie zuvor ausschüttet: 249 Millionen Dollar, ein Rekord, der die wirtschaftliche Dynamik des Frauentennis unterstreicht.

Der Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart und die Berlin Open bilden das deutsche Fenster in den WTA-Kalender. Zwei Turniere, zwei Beläge, zwei Atmosphären — aber ein gemeinsamer Nenner: Sie sind die einzigen Gelegenheiten im Jahr, bei denen deutsche Fans Weltklasse-Frauentennis live und ohne Auslandsreise erleben können. Für die deutschen Spielerinnen sind sie noch mehr: Heimturniere mit Wild-Card-Chancen, Punkte auf vertrautem Terrain und die Sichtbarkeit, die Sponsoren und Medien aufmerksam macht.

Dieser Artikel porträtiert beide WTA-Turniere in Deutschland, ordnet sie in den internationalen Kalender ein und gibt praktische Hinweise für alle, die 2026 selbst dabei sein wollen. Er beleuchtet außerdem, welche Rolle die Heimturniere für die Nachwuchsförderung spielen — ein Aspekt, der im Turnierbericht selten vorkommt, aber für die Zukunft des deutschen Frauentennis entscheidend ist.

Denn Stuttgart und Berlin sind mehr als Daten im Kalender. Sie sind die Bühne, auf der sich zeigt, ob die Investitionen des DTB, die Porsche-Partnerschaft und die Geduld mit einer jungen Generation sich auszahlen. Wenn Eva Lys im April in Stuttgart auf den Center Court tritt, geht es nicht nur um Punkte — es geht um die Frage, ob das deutsche Frauentennis 2026 ein Turnier auf eigenem Boden als Sprungbrett nutzen kann oder ob es bei Gastauftritten im eigenen Land bleibt.

Porsche Tennis Grand Prix Stuttgart — Tradition, Prestige und ein Sportwagen als Prämie

Der Porsche Tennis Grand Prix ist das älteste und prestigeträchtigste WTA-Turnier auf deutschem Boden. Seit 1978 wird in Stuttgart professionelles Damentennis gespielt — damals noch als Indoorturnier in einer Tennishalle, heute als WTA-500-Event in der Porsche-Arena mit Platz für rund 4 500 Zuschauer. Fast ein halbes Jahrhundert Turniergeschichte, in der sich die Entwicklung des Frauentennis wie in einem Zeitraffer beobachten lässt.

Die Zahlen des Turniers 2025 spiegeln den aktuellen Boom wider: Der Gesamtprizefonds betrug 937 000 Euro — ein Plus von 15,38 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Siegerin erhält neben dem Preisgeld von rund 142 610 Euro einen Porsche Macan Turbo, was Stuttgart zu einem der wenigen Turniere macht, bei dem der Sachpreis fast so viel Aufmerksamkeit bekommt wie das Ergebnis. Der Sportwagen ist längst Teil der Turnieridentität, fotografiert und geteilt in sozialen Medien, bevor der erste Ball geschlagen wird.

Sportlich spielt Stuttgart in der Kategorie WTA 500, der dritthöchsten Stufe nach den Grand Slams und den WTA 1000. Das bedeutet: Die Siegerin erhält 470 Ranking-Punkte, das Teilnehmerfeld umfasst in der Regel 28 Spielerinnen im Hauptfeld, und die Setzliste liest sich wie ein Auszug aus den Top 20 der Welt. In den vergangenen Jahren haben hier Spielerinnen wie Iga Swiatek, Aryna Sabalenka und Elena Rybakina den Titel geholt — Namen, die verdeutlichen, dass Stuttgart kein Nebenschauplatz ist.

Die Titelgeschichte des Turniers ist ein Spiegelbild der Tennisepochen. Martina Navratilova gewann den Porsche Grand Prix sechsmal — Turnierrekord. Angelique Kerber siegte 2015 und gab dem Turnier einen deutschen Anstrich in einer Phase, als das Frauentennis hierzulande gerade wieder an Aufmerksamkeit gewann. Die Verbindung zwischen dem Turnier und dem deutschen Frauentennis ist nicht nur geografisch, sondern emotional verankert — Stuttgart war der Ort, an dem deutsche Spielerinnen vor Heimpublikum ihre besten Leistungen zeigten.

Gespielt wird seit 2009 auf Indoor-Sand — ein Belag, der als Vorbereitung auf die French Open dient und taktisch anspruchsvolles Grundlinienspiel belohnt. Bis 2008 wurde das Turnier auf schnellem Hallenbelag ausgetragen; der Wechsel auf Sand hat das Spielerinnenfeld verändert, begünstigt aber Athletinnen mit variabler Spielanlage.

Die Verbindung zwischen Porsche und dem Turnier geht über das Titelsponsoring hinaus. Das Unternehmen engagiert sich seit 2012 in einer Partnerschaft mit dem DTB, die auch die Nachwuchsförderung umfasst. Der Bundesstützpunkt Stuttgart — Hauptstandort für das deutsche Damentennis — liegt in unmittelbarer Nähe zur Porsche-Arena. Diese räumliche und institutionelle Nähe ist kein Zufall, sondern Teil einer Förderstrategie, die Turnier, Verband und Nachwuchsarbeit unter einem Dach zusammenbringt.

Organisatorisch gilt Stuttgart als eines der bestgeführten WTA-Turniere weltweit. Die Spielerinnen loben regelmäßig die Unterbringung, den Transport und die Trainingsmöglichkeiten. Für ein WTA-500-Event ist das nicht selbstverständlich — viele Turniere dieser Kategorie kämpfen mit Budgetbeschränkungen, die sich auf die Spielerinnenbetreuung auswirken. Stuttgarts Ruf als Wohlfühlturnier erklärt, warum Top-Spielerinnen es trotz dichtem Kalender in ihre Saisonplanung aufnehmen, auch wenn die Punktzahl geringer ist als bei WTA-1000-Events.

Berlin Open — Rasentennis im Steffi-Graf-Stadion

Die Berlin Open — offiziell ecotrans Ladies Open — bieten etwas, das im internationalen WTA-Kalender selten ist: Rasentennis in einem Stadion, das den Namen der erfolgreichsten deutschen Tennisspielerin aller Zeiten trägt. Das Steffi-Graf-Stadion im Berliner LTTC Rot-Weiß fasst rund 5 200 Zuschauer und liegt im Grunewald, einer Umgebung, die stilistisch so weit von einer Mehrzweckhalle entfernt ist wie Rasen von Hartplatz.

Berlin ist ein WTA-500-Turnier und damit auf derselben Stufe wie Stuttgart — sportlich gleichrangig, atmosphärisch ein Gegenpol. Während Stuttgart Indoor stattfindet, schnell und kontrolliert, ist Berlin ein Outdoor-Event auf Rasen, abhängig vom Berliner Sommerwetter und den Eigenheiten eines Belags, der Spiele unberechenbar machen kann. Der Rasen in Berlin gilt als einer der besser gepflegten auf der Tour, was sich in den Spielerinnenbewertungen niederschlägt, aber er bleibt Rasen: rutschen, anpassen, improvisieren gehört zur Grundausstattung jedes Matches.

Die Position im Kalender ist strategisch. Berlin findet in der Woche vor oder um den Beginn der Rasensaison statt, die in Wimbledon ihren Höhepunkt erreicht. Für viele Top-Spielerinnen ist Berlin das letzte Vorbereitungsturnier vor dem wichtigsten Rasenturnier des Jahres — was dem Turnier ein Teilnehmerfeld sichert, das über dem üblichen WTA-500-Niveau liegt. Spielerinnen, die in Berlin starten, tun das nicht als Pflichtprogramm, sondern als gezieltes Training unter Wettkampfbedingungen.

Die Geschichte des Berliner Turniers ist weniger linear als die Stuttgarts. Das Turnier existierte unter verschiedenen Namen und Sponsoren, wurde zwischenzeitlich herabgestuft und wieder aufgewertet. Die Rückkehr in den WTA-Kalender als 500er-Event war ein Ergebnis von Lobbyarbeit des Berliner Tennisverbands und der wirtschaftlichen Attraktivität der Hauptstadt für internationale Sponsoren. Dass das Turnier im Steffi-Graf-Stadion stattfindet, ist dabei mehr als Symbolik — es stellt eine Verbindung zwischen der goldenen Vergangenheit und der Gegenwart des deutschen Frauentennis her, die kein anderer Turnierort leisten kann.

Für das Berliner Publikum bieten die Open ein Tenniswochenende, das sich von anderen Sportveranstaltungen in der Stadt abhebt. Die Atmosphäre ist geprägt von kurzen Wegen zwischen den Plätzen, Sichtbarkeit auch jenseits des Center Courts und einer Nähe zu den Spielerinnen, die bei Grand Slams undenkbar wäre. Wer in Berlin eine Erstrunde auf einem Nebenplatz besucht, steht drei Meter vom Match entfernt — eine Intimität, die den besonderen Reiz kleinerer WTA-Events ausmacht.

Die Prizefonds in Berlin haben sich in den letzten Jahren parallel zum allgemeinen WTA-Wachstum entwickelt. Noch liegt Berlin beim Preisgeld unter Stuttgart, aber die Tendenz zeigt nach oben. Für die Turnierorganisation ist das ein Balanceakt: Höhere Preisgelder ziehen stärkere Felder an, erfordern aber auch höhere Sponsoreneinnahmen. Die Berliner Position als Hauptstadt mit internationalem Medieninteresse hilft dabei — Sponsoren investieren in Berlin auch wegen der Sichtbarkeit jenseits des Tennisplatzes.

WTA-Kalender 2026 — Deutsche Turniere im internationalen Kontext

Der WTA-Kalender 2026 umfasst über 50 Turniere weltweit, verteilt auf elf Monate — von den ersten Hardcourt-Events in Australien Anfang Januar bis zu den WTA Finals im November. Innerhalb dieses dicht gepackten Zeitplans nehmen die beiden deutschen Turniere spezifische Positionen ein, die ihre Bedeutung definieren.

Stuttgart fällt traditionell in den April, in die Phase zwischen der nordamerikanischen Hardcourt-Saison und dem Beginn der europäischen Sandplatzsaison. Der schnelle Hallenboden in Stuttgart steht damit am Übergang zwischen zwei Belägen — für Spielerinnen, die gerade von Indian Wells und Miami kommen und sich auf Roland Garros vorbereiten, ist Stuttgart ein taktischer Zwischenschritt. Die Lage im Kalender erklärt auch, warum das Turnier regelmäßig starke Felder anzieht: Es fällt in eine Phase ohne konkurrierende WTA-1000-Events, was den Top-Spielerinnen Raum gibt, sich für Stuttgart zu entscheiden.

Berlin liegt im Juni, direkt in der kurzen Rasensaison, die nur wenige Wochen dauert. Zwischen den French Open auf Sand und Wimbledon auf Rasen bleibt wenig Zeit — Berlin, zusammen mit Bad Homburg, Eastbourne und Birmingham, gehört zu den wenigen Rasenturnieren, die den Übergang ermöglichen. Für deutsche Fans bedeutet das: Die Berlin Open sind das einzige Rasenturnier, das sie besuchen können, ohne nach England zu reisen.

Zwischen April und Juni liegen für deutsche Tennisfans also zwei Fixpunkte im Kalender. Der Rest des Jahres — die Australian Open im Januar, Roland Garros im Mai und Juni, Wimbledon im Juli, die US Open im August und September — findet ohne deutsche Turniere statt. Die WTA-Turniere in Deutschland sind damit keine Begleitung der gesamten Saison, sondern konzentrierte Momente, die den Zugang zum Spitzensport auf wenige Wochen verdichten.

Für die Turnierplanung der deutschen Spielerinnen hat dieser Kalender direkte Konsequenzen. Wer in Stuttgart und Berlin Punkte holen will, muss seine Saisonplanung um diese Termine herum organisieren. Eva Lys wird beide Turniere priorisieren — nicht nur wegen der Punkte, sondern wegen der Sichtbarkeit vor deutschen Sponsoren und Medien. Ella Seidel, als Hamburgerin mit Bezug zum Berliner Rasen, dürfte die Berlin Open als persönliches Highlight im Kalender markieren.

Ein Aspekt, der im Turnierkalender oft übersehen wird, ist die Reiselogistik. Für deutsche Spielerinnen sind Stuttgart und Berlin die einzigen WTA-Events, bei denen keine Langstreckenflüge anfallen. Der Rest der Saison verteilt sich auf Australien, Nordamerika, den Nahen Osten und Asien — Zeitzonen, Jetlag und Kosten, die für Spielerinnen jenseits der Top 50 einen erheblichen Posten im Saisonbudget darstellen. Die Heimturniere sind deshalb nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich die effizientesten Wochen im Kalender einer deutschen Spielerin.

Neben Stuttgart und Berlin gibt es auf deutschem Boden weitere Tennisereignisse, die zwar nicht zum WTA-Hauptkalender gehören, aber den Rahmen ergänzen: ITF-Turniere verschiedener Kategorien, die über das Jahr verteilt in Städten wie Versmold, Ismaning oder Mainfranken stattfinden. Diese Events bieten Spielerinnen unterhalb der Top 200 die Möglichkeit, Punkte zu sammeln, ohne Deutschland zu verlassen. Für den Nachwuchs sind sie oft der erste Kontakt mit internationalem Turniertennis.

Bilanz — Deutsche Spielerinnen auf heimischem Boden

Die Ergebnisse deutscher Spielerinnen bei den Heimturnieren der letzten fünf Jahre erzählen eine Geschichte von Übergängen. In der Kerber-Ära war der Porsche Grand Prix ein Turnier, bei dem mindestens eine Deutsche regelmäßig in die zweite Woche einzog. Kerbers Sieg 2015 war der Höhepunkt, aber auch in den Jahren danach sorgten Matches gegen Top-10-Gegnerinnen für volle Ränge und nationale Aufmerksamkeit. Seit ihrem Rücktritt 2024 ist diese Garantie entfallen.

2025 war das erste Jahr, in dem keine der deutschen Spielerinnen in Stuttgart über die zweite Runde hinauskam. Eva Lys scheiterte an einer gesetzten Gegnerin in zwei Sätzen, Ella Seidel verlor in der Qualifikation. Die Wild-Card-Empfängerinnen — in der Regel junge DTB-Spielerinnen — traten an, sammelten Erfahrung und verließen das Turnier ohne Punkte. Das ist kein Versagen, aber es markiert den Abstand zwischen deutschem Niveau und dem, was ein WTA-500-Feld verlangt.

In Berlin zeigt sich ein ähnliches Muster, allerdings mit einer Nuance: Der Rasenbelag bevorteilt Aufschlag-und-Volley-Spielerinnen, und unter den deutschen Vertreterinnen ist niemand, die diesen Stil in Perfektion beherrscht. Die Ergebnisse in Berlin waren entsprechend: vereinzelte Erstrundenerfolge, aber keine tiefen Runs seit Kerbers letztem Berlin-Auftritt. Historisch betrachtet war Julia Görges mit ihrem druckvollen Aufschlagsspiel die letzte Deutsche, die auf Rasen regelmäßig Erstrundenhürden überspringen konnte — seit ihrem Karriereende 2020 fehlt dieser Spielertyp im deutschen Kader.

Was die Bilanzen verschweigen, ist die Bedeutung der bloßen Teilnahme. Eine 20-jährige Spielerin, die in Stuttgart zum ersten Mal auf einem WTA-500-Center-Court steht, gewinnt an Erfahrung, die kein ITF-Turnier ersetzen kann. Die Atmosphäre, die Geschwindigkeit der Bälle, das Aufschlagtempo der Top-50-Gegnerinnen — all das ist ein Lernprogramm, das erst in den folgenden Monaten Wirkung zeigt. Die Bilanz einer deutschen Spielerin in Stuttgart oder Berlin lässt sich deshalb nicht allein an Siegen und Niederlagen messen.

Für 2026 ist die realistische Erwartung: Eva Lys als Gesetzte in Stuttgart, mit einer realistischen Chance auf das Viertelfinale. Seidel als Hauptfeldspielerin in beiden Turnieren, sofern ihr Ranking stabil bleibt. Und ein oder zwei Wild-Card-Plätze für die nächste Generation — Akugue, Schunk oder eine der Porsche-Talent-Team-Spielerinnen. Die Bilanz wird sich erst dann nachhaltig verändern, wenn deutsche Spielerinnen nicht mehr über Wild Cards, sondern über ihr Ranking ins Hauptfeld einziehen. Bis dahin bleibt die Statistik ein Abbild des Übergangs: Die alte Generation ist abgetreten, die neue steht an der Schwelle — und Stuttgart und Berlin sind die Orte, an denen sich zeigt, wie nah sie der Tür bereits ist.

Fan-Guide — So erlebt man WTA-Tennis in Deutschland live

Wer 2026 ein WTA-Turnier in Deutschland besuchen will, hat zwei Optionen und sollte die Unterschiede kennen, bevor er Tickets kauft.

In Stuttgart beginnt das Turnier üblicherweise an einem Montag mit der Qualifikation und endet am Sonntag mit dem Finale. Die Porsche-Arena liegt im NeckarPark, einem Veranstaltungsgelände im Stuttgarter Osten, das mit der Stadtbahn erreichbar ist. Tickets für die ersten Turniertage — Qualifikation und erste Hauptfeldrunden — sind in der Regel unter 30 Euro erhältlich und bieten das beste Preis-Leistungs-Verhältnis: kleinere Besucherzahlen, Nähe zum Platz, die Möglichkeit, mehrere Matches hintereinander zu sehen. Halbfinal- und Finalkarten liegen deutlich höher, oft zwischen 80 und 150 Euro, und sind erfahrungsgemäß schnell vergriffen.

Berlin bietet ein anderes Erlebnis. Das Steffi-Graf-Stadion ist eine Freiluftanlage im Grunewald, eingebettet in die Anlage des LTTC Rot-Weiß. Die Atmosphäre erinnert eher an einen britischen Rasenclub als an eine deutsche Veranstaltungshalle — kurze Wege, grüne Kulisse, Cateringzelte zwischen den Plätzen. Die Preise in Berlin bewegen sich auf ähnlichem Niveau wie in Stuttgart, mit dem Vorteil, dass bei schlechtem Wetter kein Dach schützt und Spielpläne verschoben werden können. Wer flexibel ist, profitiert davon: Regenpausen führen oft zu doppelten Sessions am Folgetag, bei denen ein Tagesticket den Gegenwert von zwei Turniertagen hat.

Für beide Turniere gilt: TV-Übertragungen laufen in Deutschland über verschiedene Kanäle. Die öffentlich-rechtlichen Sender zeigen vereinzelt Matches, wenn deutsche Spielerinnen beteiligt sind — in der Regel ab dem Viertelfinale aufwärts. Vollständige Live-Abdeckung bieten kostenpflichtige Streaming-Dienste, die die WTA-Rechte halten. Wer alle Matches sehen will, kommt um ein Abonnement nicht herum — wer nur die Highlights verfolgen möchte, findet auf den Social-Media-Kanälen der WTA und der Turniere selbst Zusammenfassungen und Clips, die oft innerhalb von Minuten nach Matchende verfügbar sind.

Ein praktischer Tipp für Erstbesucher: Die besten Plätze in den frühen Turniertagen sind nicht die teuersten, sondern die am Center Court in den ersten Reihen, wenn die Arena noch halb leer ist. Wer am Dienstag oder Mittwoch kommt, sieht Top-Spielerinnen aus drei Metern Entfernung — eine Nähe, die bei Grand Slams selbst mit VIP-Tickets nicht möglich ist. Auch lohnt es sich, die Trainingsplätze zu besuchen: In Stuttgart und Berlin trainieren die Spielerinnen oft auf offenen Nebenplätzen, zugänglich für alle Ticketinhaber. Dort lässt sich Tennis in seiner reinsten Form beobachten — ohne Schiedsrichter, ohne Scoreboard, nur Schläge und Taktik.

Wild Cards und Perspektiven — Was Heimturniere für den Nachwuchs bedeuten

Jedes WTA-Turnier vergibt eine begrenzte Anzahl von Wild Cards — Startplätze für Spielerinnen, die sich über ihr Ranking nicht direkt qualifiziert hätten. Diese Plätze werden vom Turnierveranstalter vergeben, oft in Absprache mit dem nationalen Verband. Für die WTA-Turniere in Deutschland bedeutet das: Der DTB hat direkten Einfluss darauf, welche jungen Spielerinnen ihre erste WTA-Erfahrung auf heimischem Boden sammeln.

In den vergangenen Jahren hat der DTB diese Wild Cards gezielt an Spielerinnen aus dem eigenen Fördersystem vergeben. Noma Noha Akugue erhielt 2023 eine Wild Card für das WTA-250-Turnier in Hamburg und nutzte sie bis ins Finale — ein Ergebnis, das ihre Karriere veränderte. Eva Lys bekam früh Wild Cards für Stuttgart, die ihr ermöglichten, gegen Top-50-Gegnerinnen anzutreten, bevor ihr Ranking diesen Zugang erlaubt hätte. Solche Einsätze sind keine Geschenke, sondern kalkulierte Investitionen in die Entwicklung.

Die Verbindung zwischen dem Porsche Talent Team und dem Porsche Tennis Grand Prix ist dabei kein Zufall. Dieselbe Marke, die das Stuttgarter Turnier trägt, finanziert auch die Nachwuchsförderung des DTB — eine Doppelrolle, die seit über einem Jahrzehnt besteht. Das Talent Team 2025 umfasst sechs Spielerinnen — Nastasja Schunk, Noma Noha Akugue, Ella Seidel, Julia Stusek, Sonja Zhenikhova und Mariella Thamm — plus drei Juniorinnen im Porsche Junior Team: Tamina Kochta, Ida Wöbker und Sophie Triquart. Für diese Spielerinnen ist Stuttgart nicht irgendein Turnier, sondern das Turnier ihres Förderers.

Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, hat die Philosophie hinter dem Engagement prägnant zusammengefasst: „We want to help promising juniors develop and accompany them on their way to the top.“ — Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender, Porsche AG. Das klingt nach einer Standard-Sponsorenbotschaft, aber die Zahlen zeigen, dass Porsche nicht nur kommuniziert, sondern finanziert: Trainingseinheiten, Turnierreisen, Betreuungspersonal — ein Paket, das den neun Spielerinnen im Förderprogramm Zugang zu Ressourcen gibt, die ohne die Partnerschaft nicht finanzierbar wären.

Über die direkte Förderung hinaus haben die deutschen WTA-Turniere eine indirekte Wirkung auf den Nachwuchs. Wenn eine 14-Jährige im Publikum sitzt und sieht, wie Eva Lys auf dem Center Court in Stuttgart spielt, entsteht ein Bild davon, was möglich ist. Diese Sichtbarkeit lässt sich nicht in Zahlen messen, aber jeder Trainer im deutschen Tennissystem wird bestätigen, dass sie existiert. Die Turniere generieren darüber hinaus mediale Aufmerksamkeit, die in die Vereine zurückwirkt: Lokale Zeitungen berichten über Stuttgarter Ergebnisse, Tennisclubs nutzen die Turnierwoche für Schnupperangebote, und der DTB verknüpft die WTA-Events mit eigenen Breitensportaktionen.

Ein Effekt, der selten diskutiert wird, ist die Professionalisierung des Umfelds. Junge Spielerinnen, die als Wild-Card-Empfängerinnen oder Ballkinder an einem WTA-Turnier teilnehmen, erleben zum ersten Mal, wie ein professioneller Turnierablauf funktioniert: Spielerinnenlounge, Anti-Doping-Kontrollen, Pressekonferenzen, Physiotherapie-Bereiche. Diese Erfahrung senkt die Hemmschwelle für den Übergang ins Profitennis — nicht weil sie den Sport einfacher macht, sondern weil sie die Unbekannte reduziert.

Die WTA-Turniere in Deutschland sind nicht nur sportliche Veranstaltungen — sie sind die greifbarste Verbindung zwischen dem Breitensport in 8 640 deutschen Tennisclubs und der Weltspitze. Solange Stuttgart und Berlin im WTA-Kalender stehen, bleibt diese Verbindung intakt. Ob sie sich in den kommenden Jahren verstärkt, hängt davon ab, wie viele deutsche Spielerinnen nicht mehr als Wild-Card-Empfängerinnen, sondern als gesetzte Teilnehmerinnen auf den Court gehen.