Die besten deutschen Tennisspielerinnen: Ein historisches Ranking

Die besten deutschen Spielerinnen aller Zeiten. Von Steffi Graf bis Angie Kerber – historische Daten und Einordnung der größten Tennis-Erfolge.

Tennisschläger verschiedener Generationen — die besten deutschen Tennisspielerinnen aller Zeiten

Ladevorgang...

Beste deutsche Tennisspielerinnen: Historisches Top 10 Ranking

Jedes Ranking ist eine Einladung zum Widerspruch — und dieses hier ist keine Ausnahme. Zehn Spielerinnen, die das deutsche Frauentennis über ein halbes Jahrhundert geprägt haben, in eine Reihenfolge zu bringen, erfordert Kriterien, die nicht jeden überzeugen werden. Grand-Slam-Titel sind der offensichtlichste Maßstab, aber sie erzählen nicht die ganze Geschichte. Karrierehöchstranking, Wochen in den Top 10, Teamleistungen im Fed Cup, kultureller Einfluss auf den Sport in Deutschland — all das muss einfließen, um ein Bild zu zeichnen, das über nackte Zahlen hinausgeht.

Die Reihenfolge, die folgt, ist ein Vorschlag. Er basiert auf einer Gewichtung, die Grand-Slam-Erfolge am höchsten bewertet, aber auch Spielerinnen würdigt, deren Beitrag sich nicht in Pokalen messen lässt. Die besten deutschen Tennisspielerinnen sind mehr als eine Rangliste — sie sind die Geschichte eines Sports, der in Deutschland Höhen erlebt hat, die kaum ein anderes Land erreicht hat, und Tiefen, aus denen die nächste Generation gerade erst aufzutauchen beginnt.

Die wahre Größe dieser Legenden zeigt sich besonders beim Blick auf die Grand-Slam-Titel deutscher Tennisspielerinnen im Laufe der Geschichte.

Platz eins bis fünf

Platz eins geht an Steffi Graf — und das bedarf keiner langen Begründung. 22 Grand-Slam-Titel im Einzel, 377 Wochen als Nummer eins, der Golden Slam 1988 und eine Karrierebilanz von 900 Siegen bei 115 Niederlagen machen sie laut International Tennis Hall of Fame nicht nur zur besten deutschen Tennisspielerin aller Zeiten, sondern zu einer der besten Sportlerinnen des 20. Jahrhunderts. Graf definierte das Frauentennis für eine Ära und hinterließ Rekorde, die seit über einem Vierteljahrhundert unangetastet stehen. Ihre Karrierepreisgeldmarke von 21,9 Millionen Dollar klingt im Vergleich zu heutigen Summen bescheiden — inflationsbereinigt und gemessen an ihrer Dominanz ist sie unübertroffen.

Platz zwei gehört Angelique Kerber. Drei Grand-Slam-Titel — Australian Open 2016, US Open 2016, Wimbledon 2018 —, 34 Wochen als Nummer eins, Karrierepreisgeld von 32,5 Millionen Dollar und die Rolle als Identifikationsfigur eines Sports, der nach Grafs Rücktritt sechzehn Jahre auf eine neue deutsche Grand-Slam-Siegerin warten musste. Kerber war nicht Graf — aber sie musste es auch nicht sein. Ihre drei Titel auf drei verschiedenen Belägen beweisen eine Vielseitigkeit, die nur wenige Spielerinnen ihrer Generation besaßen.

Platz drei: Anke Huber. In einer anderen Ära wäre Huber ein Star gewesen. Das Pech, zeitgleich mit der besten Spielerin aller Zeiten im selben Land zu spielen, kostete sie die Aufmerksamkeit, die sie verdient hätte. Karrierehöchstranking Nummer vier der Welt, zwölf WTA-Titel, ein Grand-Slam-Finale bei den Australian Open 1996 — verloren gegen Monica Seles. Huber war die beste Nummer zwei, die Deutschland je hatte, und ihre Konstanz über mehr als ein Jahrzehnt in den Top 20 ist ein Verdienst, das oft unterschätzt wird.

Platz vier für Sabine Lisicki. Das höchste Ranking — Nummer zwölf — erzählt nur die halbe Geschichte. Lisicki war die deutsche Spielerin mit dem gefährlichsten Aufschlag ihrer Generation, die Spielerin, die 2013 im Wimbledon-Finale stand und die 2014 den Weltrekord für den schnellsten Aufschlag im Damentennis aufstellte. Ihre Karriere war geprägt von Verletzungen und extremen Schwankungen zwischen brillanten Turnierwochen und unerklärlichen Formtiefs — aber auf ihrem Höhepunkt war sie so aufregend wie kaum eine andere deutsche Spielerin seit Graf.

Platz fünf: Sylvia Hanika. Eine Pionierin, die in den frühen achtziger Jahren den Boden bereitete, auf dem Graf später ihre Triumphe feierte. Hanika erreichte 1982 das Finale der French Open und kletterte auf Platz fünf der Weltrangliste — zu einer Zeit, als deutsches Damentennis international kaum eine Rolle spielte. Ihre Karriere endete, bevor der große Boom kam, aber ohne Spielerinnen wie sie hätte es diesen Boom möglicherweise nie gegeben.

Platz sechs bis zehn

Platz sechs: Andrea Petkovic. Karrierehoch auf Rang neun, zwei WTA-Titel, und eine Persönlichkeit, die dem deutschen Frauentennis in den 2010er Jahren ein Gesicht gab — charmant, intelligent, wortgewandt, mit einem Tanzschritt nach jedem Sieg, der zur Marke wurde. Petkovic war nie Grand-Slam-Siegerin, aber sie war die Spielerin, die Kerbers Durchbruch vorbereitete, indem sie zeigte, dass deutsche Frauen auch ohne den Namen Graf auf höchstem Niveau konkurrieren können.

Platz sieben: Julia Görges. Die Bremerin mit dem wuchtigen Aufschlag erreichte 2018 Platz neun der Welt und gewann sieben WTA-Titel. Ihre Stärke auf schnellen Belägen — Hartplatz und Rasen — machte sie zu einer gefürchteten Gegnerin in Wimbledon und bei den US Open. Görges‘ Karriereende 2020, mit nur 31 Jahren, kam überraschend und hinterließ das Gefühl, dass da noch mehr hätte kommen können.

Platz acht: Tatjana Maria. Die Selfmade-Profispielerin, die ohne DTB-Förderung ein Wimbledon-Halbfinale 2022 erreichte, zweimal nach Schwangerschaften zurückkehrte und mit einem Spielstil, der auf Slice und Variation setzt, Gegnerinnen in den Wahnsinn trieb. Maria beweist, dass Erfolg im Tennis nicht an Systemzugehörigkeit gebunden ist — und dass eine Mutter von zwei Kindern auf dem heiligen Rasen von Wimbledon bestehen kann.

Platz neun: Laura Siegemund. Zwei Grand-Slam-Titel im Mixed, ein WTA-Einzeltitel in Stuttgart 2017, und eine Karriere, die von Verletzungen durchzogen, aber nie gebrochen wurde. Siegemund ist die am meisten unterschätzte deutsche Tennisspielerin der letzten zwei Jahrzehnte — und eine der wenigen mit Grand-Slam-Trophäen im Schrank.

Platz zehn: Claudia Kohde-Kilsch. Die Saarbrückerin war in den achtziger Jahren eine der besten Doppelspielerinnen der Welt, gewann Grand-Slam-Titel im Damendoppel und erreichte im Einzel die Top 20. Im Fed Cup war sie Teil des Titelteams von 1987 — Deutschlands erster Triumph im Mannschaftswettbewerb der Frauen. Kohde-Kilsch steht stellvertretend für eine Generation, die den Boden für alles bereitete, was danach kam.

Die Methodik — warum dieses Ranking so und nicht anders aussieht

Jedes historische Ranking kämpft mit dem Problem der Vergleichbarkeit. Kann man eine Spielerin der achtziger Jahre fair gegen eine der 2020er bewerten? Die Antwort ist: nur annäherungsweise. Die Kriterien, die diesem Ranking zugrunde liegen, gewichten Grand-Slam-Titel am stärksten — sie sind der härteste Maßstab, weil sie über zwei Wochen gegen die besten Spielerinnen der Welt gewonnen werden müssen. Danach folgen das Karrierehöchstranking, die Anzahl der Wochen in den Top 10 und die Teamleistungen im Fed Cup beziehungsweise Billie Jean King Cup.

Kultureller Einfluss — wie sehr eine Spielerin die Wahrnehmung von Tennis in Deutschland geprägt hat — fließt als Sekundärkriterium ein. Petkovic rangiert deshalb höher, als es ihr reines Ranking-Maximum von neun rechtfertigen würde: Ihr Einfluss auf die Popularität des Frauentennis in den 2010er Jahren war messbar. Maria wiederum verdankt ihren Platz der Einzigartigkeit ihres Weges — ein Wimbledon-Halbfinale ohne Verbandsunterstützung ist eine Leistung, die in keiner Statistik angemessen abgebildet wird.

Die besten deutschen Tennisspielerinnen umfassen fünf Jahrzehnte Sportgeschichte — von Hanikas French-Open-Finale 1982 bis zu Lys‘ Karrierehoch 2026. Was sie verbindet, ist nicht ein gemeinsames System oder eine gemeinsame Methode, sondern der individuelle Wille, auf einer globalen Bühne zu bestehen. Dass die Liste von einer Spielerin angeführt wird, deren Rekorde möglicherweise nie gebrochen werden, macht sie nicht weniger relevant — sie macht den Rest nur umso bemerkenswerter.

Weitere historische Rückblicke und aktuelle News lesen Sie in unserem Magazin für Damentennis.