Noma Noha Akugue — WTA-Karriere, Trainer Ebrahimzadeh und der Weg nach oben

Noma Noha Akugue im Porträt: ihr Weg zur WTA, Trainer Benjamin Ebrahimzadeh (Ex-Kerber), BOSS-Sponsoring und die Ziele für 2026.

Noma Noha Akugue beim Aufschlag auf dem Tennisplatz — aufstrebendes deutsches Tennis-Talent

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Hamburgs Talent mit Grand-Slam-Erfahrung im Trainerteam

Noma Noha Akugue passt in keine Schablone. Die Tochter eines nigerianischen Boxers aus Reinbek bei Hamburg kam zum Tennis, weil ein Nachbar sie zum Probetraining mitnahm. Heute trainiert sie am Bundesstützpunkt Stuttgart, wird von einem Coach betreut, der zuvor Angelique Kerber und Dominic Thiem an die Weltspitze begleitet hat, und trägt Kleidung eines Luxuslabels, das normalerweise keine Spielerinnen außerhalb der Top 50 sponsert.

Akugues Geschichte ist eine Abfolge von unwahrscheinlichen Wendungen, die zusammengenommen eine Karriere ergeben, wie sie im deutschen Frauentennis selten vorkommt. Mit 19 Jahren stand sie bereits in einem WTA-Finale. Mit 22 hat sie die Infrastruktur um sich versammelt, die für den nächsten Schritt nötig ist. Ihr Name taucht in jedem Gespräch über die Zukunft des deutschen Damentennis auf — nicht als Hoffnungsträgerin im vagen Sinn, sondern als konkrete Kandidatin für den Sprung in die Top 100. Die Frage, die sich stellt, ist nicht ob sie das Potenzial hat, sondern ob die Ergebnisse schnell genug kommen, um das Fenster offenzuhalten.

Von Reinbek über Hamburg auf den Bundesstützpunkt Stuttgart

Noma Noha Akugue wurde 2003 in Reinbek geboren, einer Kleinstadt im Südosten Hamburgs. Ihr Vater, ein aus Nigeria stammender Boxer, und ihre Mutter legten Wert auf Sport, aber Tennis war in der Familie kein Thema. Der Einstieg kam über einen Zufall — ein Vereinstraining, das einem Nachbarskind galt und zu dem Akugue mitgenommen wurde. Sie blieb.

Die frühen Jahre verliefen in den Strukturen des Hamburger Tennisverbandes. Akugue trainierte lokal, gewann regionale Jugendturniere und fiel durch ihre Athletik auf — eine Eigenschaft, die im Mädchentennis, wo Technik oft über Physis gestellt wird, nicht immer sofort als Vorteil erkannt wird. Ihre Beweglichkeit, gepaart mit einer explosiven Beinarbeit, die an die Herkunft ihres Vaters aus dem Boxsport erinnert, unterschied sie schon früh von den Altersgenossinnen. Was ihr fehlte, war die technische Feinarbeit, die nur durch professionelles Coaching auf höchstem Niveau entsteht. Der Deutsche Tennis Bund wurde auf sie aufmerksam und nahm sie in das Förderprogramm auf, das ihr den Weg zum Bundesstützpunkt ebnete.

Der Wechsel nach Stuttgart war der entscheidende Schritt. Am dortigen Bundesstützpunkt, der seit 2012 als Hauptstandort für das Damentennis fungiert, fand Akugue die professionelle Umgebung, die ihr in Hamburg fehlte: tägliches Training mit gleichwertigen Sparringspartnerinnen, Zugang zu Sportmedizin und Athletiktraining, und die Nähe zum Porsche Tennis Grand Prix, dem wichtigsten WTA-Turnier auf deutschem Boden. Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, brachte die Philosophie hinter der Partnerschaft auf den Punkt: «We want to help promising juniors develop and accompany them on their way to the top.» Akugue ist eine der Spielerinnen, auf die sich dieses Versprechen konkret bezieht.

Finale in Hamburg, Karrierehoch bei 142 — die bisherigen Highlights

Der Moment, in dem Noma Noha Akugue zum ersten Mal über den Kreis der Tennisexperten hinaus wahrgenommen wurde, kam im Juli 2023. Beim WTA-250-Turnier in Hamburg, ausgerechnet in ihrer Heimatstadt, spielte sie sich durch die Qualifikation ins Hauptfeld und von dort bis ins Finale. Eine 20-jährige Qualifikantin im Endspiel eines WTA-Turniers — das passiert nicht oft, und schon gar nicht einer Deutschen auf deutschem Boden.

Das Finale selbst ging verloren, aber die Botschaft war angekommen. Akugues Weltrangliste schoss auf Platz 142 — ihr bisheriger Karrierehöchststand. Die Woche in Hamburg brachte ihr nicht nur Ranglistenpunkte, sondern auch Aufmerksamkeit von Sponsoren, Medien und dem DTB, der in ihr eine der wenigen Spielerinnen sah, die das Potenzial für eine Top-100-Karriere mitbringen.

Die Monate danach verliefen uneinheitlich. Wie bei vielen jungen Spielerinnen folgte auf den Durchbruch keine lineare Fortsetzung, sondern ein Auf und Ab aus guten Erstrundenergebnissen und enttäuschenden Niederlagen gegen Gegnerinnen, die sie hätte schlagen können. Das Ranking pendelte, die Karrierepreisgeldmarke stieg dennoch stetig — auf mittlerweile rund 370.000 Dollar, eine Summe, die Selbstständigkeit ermöglicht, aber keinen Luxus. Für eine Spielerin, die zwischen den Positionen 150 und 250 der Welt operiert, ist jede Turnierwoche eine Kosten-Nutzen-Rechnung: Flüge, Hotels, Trainerkosten gegen potenzielle Preisgelder, die in den frühen Runden oft kaum die Ausgaben decken.

Was Akugue trotz der schwankenden Ergebnisse von vielen Spielerinnen in ihrem Rankingbereich unterscheidet, ist die Qualität ihrer besten Momente. Die Woche in Hamburg war kein Ausreißer — sie war ein Beleg dafür, dass das Niveau da ist, wenn alles zusammenpasst. Die Herausforderung besteht darin, dieses Niveau abrufbar zu machen, nicht nur einmal pro Saison, sondern regelmäßig.

Trainer Ebrahimzadeh, Sponsor BOSS und die Saison 2026

Seit 2025 arbeitet Akugue mit Benjamin Ebrahimzadeh zusammen — einem Trainer, dessen Lebenslauf liest wie ein Who’s Who des Welttennis. Ebrahimzadeh betreute Angelique Kerber auf dem Weg von Platz 120 in die Top 5 der Weltrangliste, coachte Dominic Thiem während dessen Comeback-Versuch 2023 und arbeitete mit Stan Wawrinka und Holger Rune. Dass ein Trainer dieses Kalibers sich für eine Spielerin jenseits der Top 100 entscheidet, ist alles andere als gewöhnlich.

Die Zusammenarbeit ist ein bewusster Schritt in Richtung Professionalisierung auf höchstem Niveau. Ebrahimzadeh bringt nicht nur taktisches Wissen mit, sondern auch ein Netzwerk und eine Arbeitsmentalität, die Akugue bisher fehlte. Sein Ansatz: strukturierte Wochen, klare taktische Vorgaben für jeden Belag, und die Bereitschaft, auch unangenehme Wahrheiten auszusprechen. Er hat erlebt, wie Kerber sich von einer Außenseiterin zur Nummer eins der Welt entwickelte, und weiß, dass dieser Prozess Jahre dauert und oft undankbar ist. Für eine junge Spielerin, die sich in der Grauzone zwischen Talent und Weltklasse bewegt, ist das genau die Art von Führung, die den Unterschied machen kann.

Parallel zur Trainerverpflichtung kam 2024 ein Sponsoringdeal mit BOSS zustande — ungewöhnlich für eine Spielerin ihres Rankings, aber ein Zeichen dafür, dass Akugues Profil über den Sport hinaus funktioniert. Die Modemarke setzt auf eine langfristige Partnerschaft und sieht in Akugue ein Gesicht, das Diversität, Jugend und Leistungssport verbindet. Im deutschen Tennis, wo Sponsorenverträge für Spielerinnen jenseits der Top 100 rar sind, verschafft der Deal Akugue eine finanzielle Planungssicherheit, die vielen Konkurrentinnen auf ihrem Niveau fehlt. Sie kann Turniere besuchen, ohne jede Woche die Reisekosten gegen das mögliche Preisgeld abwägen zu müssen — ein Vorteil, der sich langfristig in Ergebnissen niederschlagen sollte.

Die Saison 2026 wird zum Prüfstein. Mit dem neuen Trainerteam und der verbesserten Infrastruktur müssen nun Ergebnisse folgen. Der Weg in die Top 100 ist das erklärte Ziel, und die Voraussetzungen waren nie besser. Was Akugue dafür braucht, ist Konstanz — die Fähigkeit, nicht nur in einer einzelnen Turnierwoche zu brillieren, sondern über Monate hinweg ein Niveau zu halten, das Top-100-Spielerinnen von allen anderen unterscheidet. Die Werkzeuge hat sie. Die Frage ist, ob die Summe der Teile jetzt das Ergebnis produziert, das die einzelnen Komponenten versprechen.